Sanierung der Staatsbibliothek

Der neue Lesesaal nach historischem Vorbild ist fertiggestellt.
2. Bauabschnitt läuft - Die Sanierunsmaßnahmen des Altbaugebäudes

Die Staatsbibliothek zu Berlin Haus 1 befindet sich an der Straße Unter den Linden und wurde 1914 nach dem Entwurf von Ernst v. Ihne im wilhelminischer Baustil nach 11-jähriger Bauzeit fertiggestellt. Die Karree-Bebauung umfasst eine Gebäudelänge von 170 m x 107 m mit einer Gebäudehöhe von ca. 29 m und verfügt über 13. Gebäudeebenen bzw. Büchergeschosse. Im Zweiten Weltkrieg wurde der zentrale Kuppellesesaal zerstört und angrenzende Gebäudeteile wurden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Im gesamten Bauwerk wurde das normierte Regalsystem aus Metall von Robert Lipman eingebaut, welches aus zwei gezahnten Leisten mit Einlegeböden besteht. Vorteile dieser Konstruktion sind die variierenden Regalhöhen, kein Beräumen der Regale beim Versetzen der Böden nötig, der Raumgewinn durch Verringerung der Stärke, die gute Belüftung und Belichtung der Regaletagen und die reduzierte Brandgefährdung. Die Rückhängung der Systemregale erfolgte durch die Einleitung der Kräfte in die Gebäudehülle.

Nach Kriegsende wurde 1946 der Bibliotheksbetrieb wieder aufgenommen. Die Ruine des Kuppellesesaals wurde erst 1977 abgetragen und an dieser Stellen wurden in den 1980er Jahren vier Magazintürme als Lagerungsmöglichkeit der Bücherbestände errichtet, welche zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder abgerissen wurden. Bis 1955 wurde das Gebäude in seiner Funktion wieder komplett hergestellt, dennoch wurde seitens des DDR-Regimes keine denkmalgerechte Sanierung bzw. ein Aufbau nach Originalzustand durchgeführt. Im Jahr 1957 ging die Staatsbibliothek in den Besitz der "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" über.

Die Generalsanierung umfasst die Wiederherstellung des Originalzustandes nach Ernst v. Ihne und eine neue Interpretation des Lesesaales nach dem Architekturbüro H. G. Merz.
Zudem erfolgt eine Modernisierung des Altbaus. Dies beinhaltet die Schaffung einer modernen Gebäude-Infrastruktur zur Vernetzung der Bibliotheken, der behindertengerechte Ausbau des Gebäudes sowie eine energetische Anpassungen des Gebäudes an die Anforderungen an eine moderne Bibliothek. So sind spezielle Räume zur Bücheraufbewahrung mit separater Klimatisierung (Temperatur- und Luftfeuchtigkeit) geschaffen worden.
Bei den gesamten Baumaßnahmen blieb und bleibt noch immer der laufende Bibliotheksbetrieb erhalten.

Schälerbau Berlin und sein ARGE-Partner Bleck & Söhne führen die Grundinstandsetzung des Rohbaus und die Sanierung der Lipmanregale durch.
Diese Bauausführung kann man in vier große Bauperioden seit 1992 untergliedern:

1992 - 1995
: Ein ehemaliger Getreidespeicher am Westhafen wurde zur Zwischenlagerung des Bücherbestandes genutzt. Das Gebäude der Staatsbibliothek verfügte über erhebliche Bauschäden, welche eine Gebäudesicherung mit sich zogen.

1995 - 2001: Sanierung der Pfahlgründung.

2002 - 2011: 1. Bauabschnitt (rot):
Bau des neuen Lesesaals und denkmalgerechte Sanierung des ersten Drittels des Altbaus durch die Arbeitsgemeinschaft Schälerbau Berlin, Bleck & Söhne und ING-Bau.

2009 - voraussichtlich 2016: 2. Bauabschnitt (grün):
Denkmalgerechte Sanierung der letzten 2/3 des Bauvolumens des Altbaus durch die Arbeitsgemeinschaft Schälerbau Berlin und Bleck & Söhne.

 

 

 

Während der Bauphase wurden einige Schwierigkeiten überwunden, wie der abschnittsweise Austausch von tragunfähigen Fachwerkträgern im Inneren des Bauteil B und die flächendeckenden, homogenen Verfüllungen von Luftschichten der Außenwände zur statischen Stabilisierung der Gebäudehülle.

Ein weiteres Highlight bei diesem Projekt waren die 23-Meter-Trockenbohrungen mit einem Durchmesser von 35 cm durch Bestandsmauerwerkspfeiler für die Einbringen von Geilinger Stützen zur Konstruktionsertüchtigung des Bauteil B mit einer maximalen Lotabweichung von 5 Zentimetern. Dies wurde durch Korrekturen über Kontrollöffnungen gewährleistet. Eine Geilinger Stütze ist eine Verbundstütze, die optisch eine Stahlstütze darstellt. Sie besteht aus einem Vollstahlkern, der außen mit einem Stahlmantel verbunden ist. Der Zwischenraum wird auf der Baustelle mit Normalbeton ausgegossen. Diese Form der Stütze bietet den Vorteil trotz eines geringen Platzverbrauches (schlanke Stütze) sehr hohe Lasten tragen zu können. In unserem Fall dient der Einsatz einer solchen Stütze dazu, die Last der Kuppel vom Mauerwerk auf die Fundamente zu übertragen. 

Staatsbibliothek Unter den Linden Berlin
Staatsbibliothek Unter den Linden Berlin

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