Bauherz und Corpus – Fertighäuser, Raumzellen und fabrikfertige Sanitärzellen

Durch die ansteigende Bevölkerungszahl wurde das systemische Bauen immer dringlicher. Dies führte zur Weiterentwicklung der Allbeton-Methode, der sogenannten Corpus-Bauweise. Dieses Montagebausystem war ebenfalls eine Entwicklung des schwedischen Bauriesens Skanska Cementgjuteriet und kam Ende der 1950er Jahre auf den Markt.

Die Grundidee der Corpus-Bauweise war die Erstellung von fertigen Raumzellen. Diese sogenannten Corpus-Betonraumzellen bildeten eine Einheit und bestanden aus vorgefertigten geschlossenen Körpern inklusive des Bodens, der Decke sowie der Innenwände mit allen notwendigen Aussparungen.

Corpus-Betonraumzellen
Corpus-Betonraumzellen

Diese raumbildenden Elemente konnten durch Übereinander- oder Nebeneinandersetzen zu einem Bauwerk oder Bauteil zusammengefügt werden. Der Transport der Raumzellen erfolgte mit Tiefladern oder über längere Strecken mit der Bahn.

Durch die fabrikmäßige Herstellung wurde eine äußerst hohe Maßgenauigkeit gewährleistet. Neben der hohen Qualität überzeugte dieses Montagebausystem auch durch die stark verkürzte Bauzeit sowie die daraus resultierenden Kosteneinsparungen.

Verladen der Corpus-Zellen
Verladen der Corpus-Zellen

Aus dieser Entwicklung entstand das 10 Tonnen schwere „Bauherz“ – eine bis ins Detail ausgeklügelte Installationszelle für eingeschossige Wohnhäuser. Diese vollständig in der Fabrik entwickelten Einheiten entstanden aus der Überlegung heraus, den extrem hohen Arbeitsaufwand der Sanitärinstallationen auf der Baustelle zu verringern. So bestand das „Bauherz“ aus vier „Herzkammern“: Einem Badezimmer, der Heiz- und Warmwasseranlage, der Elektro-Zentrale sowie der Installationswand der Küche.

Das Bauherz
Das Bauherz

Die übrigen Teile des Hauses konnten nach Belieben um das „Bauherz“ herum angeordnet werden. 

Schälerbau übernahm diese Idee und entwickelte in den 1960er Jahren ein Montagebausystem, das mit dem „Bauherz" kombiniert werden konnte.

Das sogenannte „Schäler-Bauherz-Haus“ war ein eingeschossiges, auf Fundamentpfeilern stehendes Fertighaus aus Stahlbetonteilen, ohne Keller, das zu einem Komplettpreis verkauft wurde. In diesem Komplettpreis war vom Fundament bishin zu den Einbauschränken alles enthalten.

Gebäudeschnitt Bauherz-Haus
Gebäudeschnitt Bauherz-Haus

Das vorgefertigte rechteckige Haus wurde in vier verschieden genormten Typen mit einer Größe von 69 bis 123 m² Wohnfläche angeboten, die in einem gewissen Umfang, bezüglich der Position der Innenwände und Fenster, für jede Familie individuell angepasst werden konnte. Das Dach bestand aus leicht geneigten Stahlbetonelementen. Die Mitlieferung einer Garage war ebenso möglich, wie die Fertigstellung eines kleinen Kellers darunter.

Grundriss Typ "Britta" (Wfl 118m²)
Grundriss Typ "Britta" (Wfl 118m²)

Das „Schäler-Bauherz-Haus“ glänzte mit einer Lieferzeit von 3 Monaten ab Auftragserteilung und wurde bundesweit als erstes Modell seiner Art in das Fertighaus-Verzeichnis des Bundesministeriums für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung aufgenommen.

Siedlung mit Schäler-Bauherz-Häusern
Siedlung mit Schäler-Bauherz-Häusern

Die Erfahrung zeigte, dass rationelle Lösungen im Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationsbereich äußerst wirtschaftlich waren. In Folges dessenfasste man Ende der 1960er Jahre den Entschluss, das „Bauherz“ zur Corpus-Badezimmereinheit, einer vollausgestatteten Sanitärzelle, weiterzuentwickeln. Diese vollständig betriebsbereite Einheit wurde werksseitig komplett mit Einrichtungen, Belägen, Leitungen etc. ausgestattet und bedurfte keinerlei weiterer Ausbau- oder Fertigungsarbeiten. 

Das Schäler-Bauherz-Haus
Das Schäler-Bauherz-Haus

Auf diese Weise ersparte man sich auf der Baustelle den Einsatz von bis zu 15 verschiedenen Gewerken, nur die Versorgungsanschlüsse mussten noch vor Ort durchgeführt werden. Da dies außerhalb der Zelle erfolgte, blieben die Sanitäreinheiten bis zur Abnahme durch den Bauherrn verschlossen und vor missbräuchlicher Benutzung, Beschädigung oder Diebstahl geschützt. In die dafür vorgesehenen Öffnungen wurden die Corpus-Sanitäreinheiten mit einem Kran eingelassen. 

Die Corpus-Sanitäzelle
Die Corpus-Sanitäzelle

Dieses Verfahren wurde auch bei der Altbaumodernisierung verwendet. Hierbei bot die Kompaktzelle zudem den Vorteil, dass keine tragenden Elemente, wie Wände oder Decken, abgerissen und gegebenenfalls neu hergestellt werden mussten. Auch die aus vorgefertigten Einzelelementen bestehende Variante kam in Altbauten oft zum Einsatz, da diese problemlos durch Fenster oder Türen nach innen transportiert und dort zusammengebaut werden konnten.

Einlassen einer Corpus-Sanitärzelle
Einlassen einer Corpus-Sanitärzelle

Der Einsatz der Corpus-Sanitärzelle, die gerade einmal 40 kg pro Quadratmeter wog, brachte eine rechnerisch verkürzte Bauzeit von bis zu 6 Wochen.

Bei funktionell optimalem Grundriss, insbesondere bei schlüsselfertiger Planung, erlangte der Einsatz der Corpus-Badzelle ein wirtschaftliches Optimum. Aufgrund der exakt erarbeiteten Ausführungspläne, war die Montage zu jeder Jahreszeit und Witterung, mit geringem Arbeitsaufwand und zum Teil sogar durch ungelernte Arbeitskräfte realisierbar.

Elementierte Corpus-Sanitärzelle
Elementierte Corpus-Sanitärzelle

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